Nevin Aladağ

Nevin Aladağ

Die Künstlerin Nevin Aladağ beantwortet unser Questionnaire—über Trittsiegel, Teehäuser und Lesebrillen

Woran arbeiten Sie gerade?
Momentan entwickle ich unterschiedlichen Werkserien weiter: zum einen meine musikalischen ›Resonator‹-Skulpturen, die erst in ihrer Aktivierung durch Musiker*innen ihr Klangpotential entfalten, und zum anderen die Serie ›Pattern Kinship‹, in der einzelne Abdrücke von Tieren (ihre sogenannten Trittsiegel) vervielfältigt und gespiegelt werden. Die Trittsiegel werden dabei abstrahiert und gehen in einem geometrischen, floral anmutenden Muster auf.

Welchen Teil Ihrer Arbeit mögen Sie am liebsten, welchen am wenigsten?
Die Entwicklung einer Idee in Form von Skizzen und ähnlichem, also die vage Vorstellung das noch alles möglich scheint und doch wie eine Utopie wirkt—das ist meist sehr aufregend. Die Ausführung ist dann unter Umständen mit einigen Hürden verbunden. Aber es ist doch immer wieder faszinierend, wenn das Resultat der Vorstellung entspricht—oder ihr zumindest sehr nahekommt.

Wer oder was hat Sie in Ihrer Arbeit beeinflusst?
Beeinflusst hat mich so einiges: Künstlerkolleg*innen, Freund*innen, Familie, die Zeit an der Kunstakademie München, das soziale Umfeld und noch vieles mehr.

Zu welchem Kunstwerk kehren Sie immer wieder zurück?
Ich kehre nicht zwingend zu einem bestimmten Kunstwerk zurück, eher zur Idee, ein Werk auch performativ zu erzählen.

Was würden Sie machen, wenn Sie keine Kunst machen würden?
Vielleicht würde ich mit meinen Freunden und ehemaligen Kommiliton*innen Beate Engl und Alexander Laner weiter die Helga Bar und die Galerie Goldankauf betreiben, wie wir es für ein paar Jahre sehr erfolgreich getan haben.

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus?
Mein persönlicher Arbeitsplatz ist relativ klar strukturiert, dort entwickle ich Dinge und kann auch Arbeiten präsentieren. Meine beiden weiteren Ateliers sind bunt gemischt mit unzähligen Teppichen, Materialproben und Kunstwerken, die dort zwischengelagert werden.

Wo halten Sie sich am liebsten auf?
In meinem Atelier mit Blick in einen kleinen Wald.

Welchen Raum würden Sie gerne mal betreten?
Ein Teehaus in Japan oder China, umgeben von schöner Natur. Ich stelle mir das sehr beruhigend vor, auch wenn sich dabei etwas Kitsch einschleicht.

Was machen Sie am liebsten, wenn Sie allein sind?
Chillen.

Welches Ding bereichert Ihren Alltag?
Meine Lesebrille.

Was lesen Sie gerade?
›Beyond Black There Is No Colour. The Story of Forough Farrokhzad‹ von Maryam Diener—eine sehr schöne Hommage an die iranische Dichterin und Regisseurin Forough Farrokhzad und eine Reise in ihre Welt. Sehr eindrücklich und poetisch erzählt.

Ihre letzte Reise vor dem Lockdown? Ihre erste danach?
Mitte Februar ging es noch nach London zu meiner Eröffnung im HENI Project Space in der Hayward Gallery. Da hatte ich schon Desinfektionsmittel in Gepäck und traute der Ruhe nicht mehr. Die erste Reise nach dem Lockdown war auch beruflich—nach Zürich, zum Aufbau einer mehrteiligen Kunst-am-Bau-Arbeit in der Siedlung Helen Keller.

STUDIO BERLIN
c/o Berghain
9 SEP bis zur Wiedereröffnung des Clubs
Mi—So 12—20 Uhr

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