Die Bücher

Annette Kelm, ›Kurt Tucholsky, Lerne lachen ohne zu weinen, 1931, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, Fotografie: Wellington Film Manufacture‹ aus der Serie ›Die Bücher‹, 2019/2020, Archival Pigment Print. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo

Für ihre jüngste Serie hat Annette Kelm eine Auswahl der von den Nationalsozialist*innen 1933 verbrannten Bücher ins Bild gesetzt. Während der Berlin Art Week sind diese Arbeiten im Salon Berlin des Museums Frieder Burda zu sehen

›Die Bücher‹, die Annette Kelm in ihrer gleichnamigen Ausstellung fotografiert hat, gehörten zu den rund 30.000 Büchern, die am 10. Mai 1933 von nationalsozialistischen Studierenden auf dem Berliner Opernplatz verbrannt wurden: Bücher wie Else Lasker-Schülers ›Hebräische Balladen‹, Oskar Maria Grafs ›Notizbuch des Provinzschriftstellers‹, Alfred Döblins ›Berlin Alexanderplatz‹, Stefan Zweigs Roman ›Der Flüchtling‹ oder auch Erich Kästners Kinderbuch ›Das verhexte Telefon‹. Gestochen scharf, in satten Farben, aber dezidiert sachlich bildet Kelm auf ihren Frontalansichten deren jeweilige Umschlagvorderseiten ab. Sie vermeidet dabei jede erzählerische Dimension und konzentriert sich auf die faktische Ebene. So treten zum einen die Mittel der damaligen Buchgestaltung, die sich bisweilen deutlich an diversen modernistischen Formensprachen orientierte, hervor. Zum anderen aber rückt die bewusste Zurückhaltung die Rolle der Fotografie bei Prozessen der Erinnerung in den Vordergrund: als Mittel zur Produktion von Zeichen und Bildern wie zu deren Vermittlung gleichermaßen. Wir zeigen eine Auswahl.

Annette Kelm, ›Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf, 1931, S. Fischer Verlag, Berlin, Einbandgestaltung Georg Salter‹, aus der Serie ›Die Bücher‹, 2019/2020, Archival Pigment Print. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo
Museum Frieder Burda, Salon Berlin, Installationsansicht ›Annette Kelm. Die Bücher‹. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo; Photo: Thomas Bruns

Annette Kelm, ›Eva Leidmann, Auch meine Mutter freute sich nicht! Die Fehltritte eines bayrischen Mädchens, 1932, Zinnen Verlag, Basel/Leipzig/Wien, Einbandentwurf Martha von Wagner-Schidrowitz‹ aus der Serie ›Die Bücher‹, 2019/2020, Archival Pigment Print. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo
Annette Kelm, ›Else Lasker-Schüler, Hebräische Balladen, 1913, A.R. Meyer Verlag, Berlin Wilmersdorf, Einbandzeichnung Else Lasker-Schüler, „Jussufs Versunkenheit“‹ aus der Serie ›Die Bücher‹, 2019/2020, Archival Pigment Print. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo
Museum Frieder Burda, Salon Berlin, Installationsansicht ›Annette Kelm. Die Bücher‹. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo; Photo: Thomas Bruns

Annette Kelm, ›Erich Kästner, Das verhexte Telefon, 1935, Williams & Co. Verlag GmbH, Berlin-Grunewald, Copyright Atrium Verlag AG, Zürich, 1935, Einbandzeichnung Walter Trier‹ aus der Serie ›Die Bücher‹, 2019/2020, Archival Pigment Print. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo
Museum Frieder Burda, Salon Berlin, Installationsansicht ›Annette Kelm. Die Bücher‹. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo; Photo: Thomas Bruns

Annette Kelm, ›Erich Maria Remarque, Im Westen nichts Neues, 1929, Remarques Buch ist das Denkmal unseres unbekannten Soldaten von allen Toten geschrieben (Walter von Mole), Propyläen Verlag, Berlin, Einbandentwurf Werner Beucke‹ aus der Serie ›Die Bücher‹, 2019/2020, Archival Pigment Print. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo
Annette Kelm, ›Stefan Zweig, Der Flüchtling, Episode vom Genfer See, 1927, Bücherlotterie der internationalen Buch-Kunst-Ausstellung, Leipzig, Band 1‹ aus der Serie ›Die Bücher‹, 2019/2020, Archival Pigment Print. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo
Annette Kelm, ›Friedrich Wolf, Cyankali. §218, Für Constanze Menz, 1929, Internationaler Arbeiter-Verlag, Berlin/Wien/Zürich. Einbandgestaltung Max Keilson, Einbandbild Elli Markus, Atelier für Photographie‹ aus der Serie ›Die Bücher‹, 2019/2020, Archival Pigment Print. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo

Museum Frieder Burda, Salon Berlin, Installationsansicht ›Annette Kelm. Die Bücher‹. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo; Photo: Thomas Bruns
Annette Kelm, ›Oskar Maria Graf, Notizbuch des Provinzschriftstellers. Erlebnisse, Intimitäten, Meinungen, 1932, Zinnen Verlag, Basel/Leipzig/Wien‹ aus der Serie ›Die Bücher‹, 2019/2020, Archival Pigment Print. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo
Annette Kelm, ›Alfred Kerr, Die Diktatur des Hausknechts, 1934, Les Associés Editeurs, Bruxelles‹ aus der Serie ›Die Bücher‹, 2019/2020, Archival Pigment Print. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo

Annette Kelm, ›Erich Mühsam, Alarm. Manifeste aus 20 Jahren, 1925, Dichter und Rebellen, Eine Neue Schriftreihe, Band 1, Der Syndikalist, Berlin‹ aus der Serie ›Die Bücher‹, 2019/2020, Archival Pigment Print. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo
Annette Kelm, ›Kurt Hiller, §175: Die Schmach des Jahrhunderts, 1922, Paul Steegemann Verlag, Hannover‹ aus der Serie ›Die Bücher‹, 2019/2020, Archival Pigment Print. Courtesy the artist und KÖNIG Berlin/London/Tokyo

MUSEUM FRIEDER BURDA | SALON BERLIN
Annette Kelm. Die Bücher
12 MAY—24 OCT 2020
Sonderöffnungszeiten Berlin Art Week
9 SEP, 11—19 Uhr
10—13 SEP, 11—20 Uhr

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