»Als Kuratorinnen sehen wir uns nicht—wir geben Künstler*innen eine Bühne.«

Peles Empire © Carolin Schmidt

Der Projektraum Peles Empire, geführt von Barbara Wolff und Katharina Stöver, ist mit dem diesjährigen Project Space Award ausgezeichnet, zeigt dort eine Gruppenausstellung von Nona Inescu, Jimmy Robert und Sung Tieu und ist auch durch eine ihrer Arbeiten in der Ausstellung ›Studio Berlin‹ im Berghain vertreten. Ein Gespräch über Berührung, referenzielle Kunst und ihr Selbstverständnis als Künstlerinnen und Projektraumbetreiberinnen

BAW JOURNAL: Eure Gruppenausstellung heißt touch‹—Welche Bedeutung hat die Berührung im Kontext von Kunst und hat sich das im letzten halben Jahr hinsichtlich der Pandemie gewandelt?

Peles Empire: Es gab in den letzten Monaten schon immer wieder Situationen, in denen das Thema ›Berührung‹ sehr präsent war—wen berührt man, wen nicht? Wie berührt man Dinge? Was ist mit etwas behaftet? Als Künstler*in ist man immer damit beschäftigt, etwas zu berühren—das Thema ›touch‹ ist also immer aktuell in der Kunst.

 

Wie verhält sich die Videoarbeit von Sung Tieu, Memory Dispute (2017), zum Thema Berührung?

Der Film hat eine ganz stille, schöne Ästhetik und andererseits geht es um die Dekonstruktion der Natur.
Eine Szene des Films zeigt ein Waldstück, wo damals Napalm-Bomben abgeworfen wurden während des Vietnamkrieges—in einer weiteren Szene geht es um ›skin whitening‹. Man sieht in reduzierten Ausschnitten eine Frau sehr vorsichtig und langsam eine Flüssigkeit auf einen nackten männlichen Oberkörper aufträgt. In einer späteren Szene sieht man, wie einzelne Hautteile von dem Körper des jungen Mannes abgezogen werden. Diese beiden Elemente werden gegen einander geschnitten. So verbindet Sung die Geschichte des Vietnamkrieges, durch den viele Menschen gestorben und verbrannt sind durch das Napalm mit einem aufgestülpten Schönheitsideal. Wir haben die Arbeit das erste Mal an der Art Basel 2017 gesehen und seitdem hat sie uns begleitet.

Peles Empire, Ausstellungsansicht © Carolin Schmidt
Peles Empire © Carolin Schmidt

Peles Empire, Ausstellungsansicht © Carolin Schmidt

Gibt es ein Selbstverständnis, das allen euren Arbeiten zugrunde liegt? Welche Fragestellungen findet ihr spannend—als Künstler*innen aber auch als Kurator*innen?

Als Kuratorinnen sehen wir uns nicht—wir wollen Künstler*innen eine Bühne geben. Der Projektraum ist ein statisches Element, das sich durch die Ausstellungen immer wieder verändert. Unsere Arbeit steht da im Hintergrund. Mit dem Bespielen eines Ausstellungsraumes haben wir zusammen in London begonnen, bevor wir als Künstlerinnen gearbeitet haben. Ausgangspunkt unserer künstlerischen Arbeit ist das rumänische Königsschloss Peleş aus dem Jahr 1883, das im Inneren aus einem chaotisches Nebeneinander von Möbelkopien und Raumgestaltung diverser Stilepochen besteht. Dieses Konzept treiben wir immer weiter bis in die Abstraktion. Für uns sind beide Elemente wichtig, der Raum und unsere Arbeit.

 

Was steht bei euch als nächstes an nach der Berlin Art Week?

Eine Residency in Zypern haben wir gerade auf nächstes Jahr verschoben. Aber wir arbeiten ab nächster Woche an einer Ausstellung in Luckenwalde im E-Werk, die dann im Januar 2021 eröffnet wird. Die Arbeit, die wir dort zeigen, ist eine Referenz auf ältere Arbeiten, die sich auf das Schloss beziehen. Gleichzeitig beziehen wir uns auf die Herangehensweise und die Materialien, die bei der Produktion von Strom, von Elektrizität übrigbleiben. Das ehemalige Elektrizitätswerk wurde früher mit Kohle befeuert und mittlerweile mit Holz-Pellets. Da gibt es nur ein ganz kleines Abfallprodukt und das ist schwarze Asche. Damit werden wir arbeiten.

 

 

Das Interview wurde von Carolin Schmidt geführt.

PELES EMPIRE
touch. Nona Inescu, Jimmy Robert, Sung Tieu
4 SEP—10 OCT 2020
Nur mit Anmeldung pelesempire@gmail.com

Das könnte Ihnen auch gefallen